Crotalphine and crotamine
crotalphine (identifiziert aus dem Gift von Crotalus durissus terrificus); crotamine (ein Myotoxin aus demselben Gift, auch als zellpenetrierendes Peptid, CPP, beschrieben)
1Was es ist
Crotalus durissus terrificus, die südamerikanische oder tropische Klapperschlange, hat ein Gift, das für eine Grubenotter ungewöhnlich neurotoxisch ist. Zwei ihrer Bestandteile haben aus Gründen Interesse geweckt, die mit Vergiftungen nichts zu tun haben.
Crotalphine wurde in den 2000er-Jahren von einer Gruppe am Butantan-Institut in São Paulo identifiziert, die einer alten klinischen Kuriosität nachging: Berichten, dass Krebspatienten, die Zubereitungen aus Klapperschlangengift erhielten, eine Schmerzlinderung erlebten. Die Gruppe isolierte ein kleines Peptid mit starker, bemerkenswert lang anhaltender analgetischer Aktivität bei Ratten und charakterisierte dessen Sequenz; die synthetische Version heißt crotalphine. Die auffälligste veröffentlichte Eigenschaft ist die Dauer — eine einzelne Dosis erzeugte eine Antinozizeption, die Tage anhielt, was für jedes Analgetikum ungewöhnlich und für ein Peptid sehr ungewöhnlich ist.
Crotamine ist eine andere Art von Molekül mit einem Doppelleben. Es ist ein klassisches Myotoxin: Injiziert man es in eine Maus, gehen die Hinterläufe in eine spastische Lähmung über, und genau dafür ist es im Gift da. 2004 berichteten Irina Kerkis und Kollegen, dass crotamine außerdem effizient Zellmembranen durchdringt, sich im Zellkern und in Lysosomen anreichert und sich — unerwartet — vorzugsweise in aktiv proliferierenden Zellen konzentriert. Das machte aus einem Toxin einen Kandidaten als Transportvehikel für Arzneistoffe und als tumorgerichtetes Mittel, und die meisten Arbeiten zu crotamine folgen seitdem diesem Strang statt der Toxikologie.
Beide sind präklinisch. Keines von beiden wurde in einer Studie einem Menschen verabreicht.
2Wie es vermutlich wirkt
Crotalphine:
3Was die Forschung zeigt
Crotalphine — Analgesie bei Nagetieren
Crotalphine — Daten am Menschen
Crotamine — Zellpenetration und Transport
Crotamine — antitumorale Aktivität
Crotamine — analgetische und andere Aktivitäten
Crotamine — Toxikologie
Exposition beim Menschen — Vergiftung
4Berichtete Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Aus der Literatur
Literatur (crotalphine). keine Sicherheitsdaten am Menschen. Nagetierstudien berichten über Analgesie ohne die Sedierung, motorische Beeinträchtigung oder Toleranz, die unter Morphin über die untersuchten Zeiträume auftreten. Die Charakterisierung ist begrenzt.
Literatur (crotamine). die Myotoxizität ist die definierende unerwünschte Wirkung — Muskelschädigung, spastische Lähmung der Hinterläufe bei Mäusen, erhöhte Kreatinkinase. Hämolyse und Nephrotoxizität sind Sorgen, die aus der Muskelschädigung folgen. Keine Daten am Menschen.
Literatur (Vergiftung). der Expositionsweg beim Menschen für beide. Neurotoxische Ptosis und Ophthalmoplegie, Rhabdomyolyse, myoglobinurische akute Nierenschädigung, Koagulopathie. Antivenin ist die Behandlung.
Aus der Community
Anwendung in der Community: praktisch keine dokumentiert. Eine Selbstanwendung wäre gefährlich und sinnlos. Zu crotalphine gibt es keinerlei Daten am Menschen, und sein Mechanismus ist opioidvermittelt, was bedeutet, dass die Risiken dieser Klasse gelten, ohne jede der Dosisfindungen, die eine Opioidanwendung überlebbar machen. Crotamine ist ein Myotoxin, dessen wirksame Transportkonzentrationen sich mit seinen muskelschädigenden Konzentrationen überschneiden; es zu verabreichen würde eine Rhabdomyolyse riskieren, um nichts zu erreichen.Theoretisch. bei crotalphine implizieren opioidvermittelte Wirkungen die üblichen Sorgen dieser Klasse — Atemdepression, Toleranz, Abhängigkeit —, auch wenn der periphere Mechanismus sie vermeiden soll, und dieser Vorschlag ist beim Menschen ungeprüft; Immunogenität eines Schlangenpeptids. Bei crotamine wird sich ein zellpenetrierendes Peptid, das sich in proliferierenden Zellen konzentriert, auch in normalem proliferierendem Gewebe konzentrieren — Knochenmark, Darmepithel, Haarfollikel —, was die offensichtliche Grenze der Selektivität ist.
Wechselwirkungen. keine bekannt. Die Wirkungen von crotalphine werden durch naloxone und durch selektive Kappa- und Delta-Antagonisten aufgehoben, was ein mechanistischer Befund und keine klinische Interaktion ist.
Marker, die Forschende häufig überwachen
Es sind keine substanzspezifischen Marker beim Menschen etabliert, und es gibt keine Anwendung am Menschen. Relevante Messgrößen je nach Situation: Für die Forschungsanwendung gelten keine Labormarker beim Menschen.
| Marker | Warum er beobachtet wird |
|---|---|
| Kreatinkinase und Myoglobin | die Marker der Myotoxizität von crotamine in Tierarbeiten und die Marker, die bei einer Crotalus-Vergiftung klinisch zählen. Würde crotamine jemals einem Menschen gegeben, wären dies die dosislimitierenden Messgrößen. |
| Kreatinin und Urinausscheidung | weil die myoglobinurische akute Nierenschädigung die wichtigste nachgeschaltete Gefahr eines Muskelabbaus ist. |
| Nozizeptive Verhaltenstests mit und ohne naloxone oder selektive Opioidantagonisten | die Messgrößen für Wirksamkeit und Mechanismus bei crotalphine. |
| Bildgebung der zellulären Aufnahme und der Lokalisation im Zellkern | die Messgrößen in der Literatur zum Transport mit crotamine. |
| Gerinnungsstatus und neurologische Untersuchung | die klinische Überwachung bei einer Vergiftung, bei der Crotoxin und nicht eines dieser beiden Peptide das Bild bestimmt. |
Für alle kostenlos. Sicherheitsinformationen stehen nie hinter einer Paywall.
5Forschungskontext und Sicherheitshinweise
Beide Substanzen sind Laborreagenzien. Die konkreten Gründe: - Zu crotalphine gibt es kein toxikologisches Paket und keine Daten am Menschen. Eine Wirkstärke im Bereich von Mikrogramm pro Kilogramm bei Ratten sagt nichts über einen therapeutischen Index beim Menschen. Der analgetische Mechanismus läuft über Opioidrezeptoren, die Pharmakologie mit der höchsten Sterblichkeitsrate in der Medizin, und die Behauptung, der periphere Wirkort vermeide das zentrale Risiko, ist eine Hypothese, kein Befund. - Bei crotamine überschneiden sich therapeutische und toxische Dosen. Das ist die ehrliche Zusammenfassung der Literatur zum Transport. Ein Peptid, das Skelettmuskulatur bei Dosen nahe denen schädigt, die für den Transport der Nutzlast nötig sind, ist ein Werkzeug für Zellkultur und tierexperimentelle Machbarkeitsnachweise, kein Kandidat für eine Verabreichung. - Eine bevorzugte Aufnahme in sich teilende Zellen ist keine Tumorselektivität. Normale Gewebe mit hohem Umsatz nehmen es ebenfalls auf. - Herkunft. Forschungsmaterial wird chemisch synthetisiert oder rekombinant hergestellt. Rohes Gift von C. d. terrificus ist eine tödliche Gefahr, die unter Genehmigung gehandhabt wird; die medizinische Antwort auf eine Exposition ist Antivenin, das nur in geeigneten klinischen Einrichtungen verfügbar ist. Hier werden keine Angaben zu Zubereitung, , Konzentration oder Lagerung gemacht.
6Häufig zusammen untersucht mit
Mambalgins (#193) und conotoxins (#194) als die parallelen Bemühungen um aus Giften gewonnene Analgetika; TAT-Peptid, Penetratin und Polyarginin als die zellpenetrierenden Referenzpeptide, an denen crotamine gemessen wird; Crotoxin und die crotalische Phospholipase A2 als die anderen Bestandteile desselben Gifts; Kappa-Opioidagonisten als mechanistischer Vergleich für crotalphine.
Informative Querverweise. Keine Kombinationsempfehlungen.
7Regulatorischer Status nach Region
| Region | Status (geprüft am —) |
|---|---|
| Vereinigte Staaten | Keines der beiden Peptide ist von der FDA zugelassen; nur Forschungschemikalien. Öffentlich ist kein Antrag für ein Prüfpräparat dokumentiert † |
| Europäische Union | Nicht zugelassen |
| Vereinigtes Königreich | Nicht zugelassen |
| Australien | Nicht zugelassen |
| Südafrika | Nicht registriert |
| Sport | Nicht von der WADA gelistet. Der opioidvermittelte Mechanismus von crotalphine ist erwähnenswert — opioide Analgetika sind im Wettkampf unter S7 verboten —, aber crotalphine selbst ist keine gelistete Substanz und würde als nicht zugelassene Substanz grundsätzlich unter S0 fallen |
8Offene Fragen
- Was erklärt die über mehrere Tage anhaltende Wirkung von crotalphine nach einer einzelnen Dosis, und ist das Phänomen außerhalb des ursprünglichen Labors real?
- Kann ein peripher beschränkter, Opioide freisetzender Mechanismus beim Menschen eine Analgesie ohne zentrales Risiko liefern? Crotalphine wäre ein aufschlussreicher Testfall, wenn es jemals in Studien gebracht würde.
- Kann die zellpenetrierende Funktion von crotamine durch Engineering von seiner Myotoxizität getrennt werden, und wenn nicht, ist das Gerüst überhaupt nützlich?
- Warum ist fast zwei Jahrzehnte nach der Entdeckung keines der beiden Peptide in die klinische Entwicklung gelangt?
9Quellen
- 1Konno K et al. (2008). Crotalphine, a novel potent analgesic peptide from the venom of the South American rattlesnake Crotalus durissus terrificus. Peptides. PubMed · DOI
- 2Gutierrez VP et al. (2008). Crotalphine induces potent antinociception in neuropathic pain by acting at peripheral opioid receptors. Eur J Pharmacol. PubMed · DOI
- 3Machado FC et al. (2014). Non-peptidic and peptidic analgesics from snake venom: crotalphine and the kappa-opioid mechanism. PLoS One [verify exact title and journal]. PubMed
- 4Kerkis A et al. (2004). Crotamine is a novel cell-penetrating protein from the venom of rattlesnake Crotalus durissus terrificus. FASEB J. PubMed · DOI
- 5Nascimento FD et al. (2007). Crotamine mediates gene delivery into cells through the binding to heparan sulfate proteoglycans. J Biol Chem. PubMed · DOI
- 6Pereira A et al. (2011). Crotamine toxicity and efficacy in mouse models of melanoma. Expert Opin Investig Drugs [verify journal]. PubMed · DOI
- 7Kerkis I et al. (2014). Crotamine: a novel bioactive peptide from rattlesnake venom with therapeutic potential. Curr Pharm Des. PubMed
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† Wird von unseren Prüfern anhand aktueller Quellen bestätigt.
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